2. Dezember 2009

Was bedeutet eigentlich Inklusion?

...und wie unterscheidet sie sich von der Integration?

"Alfred Sander hat die Entwicklung der schulischen Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in verschiedene Etappen eingeteilt - diese Systematik ist auch gut für -Bildung und Erziehung insgesamt nutzbar. In ihr kommt Inklusion als eigene Etappe vor. Insgesamt unterscheidet er deren fünf (vgl. Sander 2002, 2003):

  • Zu Zeiten der Exklusion wurden bestimmte Kinder von schulischer Bildung und Erziehung schlechthin ausgeschlossen - entweder ausgesperrt oder als "lebensunwert" vernichtet.

  • In der Zeit der Segregation bekommen - fast - alle Kinder Zugang zu Bildung und Erziehung, jedoch in einem System hierarchisch voneinander abgegrenzter Orte mit unterschiedlichen Anforderungen, Abschlüssen, Berechtigungen und Angeboten. Hier findet sich das gegliederte Schulwesen als System der Apartheid ebenso wieder wie das gegliederte Sonderschulwesen. Wer an einem Ort zu sehr "anders" ist oder sich "anders" verhält, wird an einen "anderen Ort" verwiesen. Selektionsprozesse werden mit der dominierenden Differenz begründet.

  • Die Integration ermöglicht es ausgewählten differenten Personen, Zugang zur allgemeinen Schule zu bekommen - gleichwohl werden sie als andere von der normalen Majorität in die allgemeine Schule hinein integriert. Damit bleiben es zwei Gruppen, die Normalen - sie nehmen "andere" aktiv auf - und die Abweichenden, die passiv von den Normalen aufgenommen werden - wenn sie Glück haben.

  • Inklusion dagegen geht nicht mehr von der Aufnahme bestimmter "Anderer" aus, sondern vom selbstverständlichen Vorhandensein aller, die gleich und unterschiedlich sind und die einen Anspruch haben, als Gleichgestellte partizipieren zu können und anerkannt zu werden. Hier ist eine fixierte allgemeine Normalität nicht mehr vorhanden.

  • Schließlich kommt es zu einer Etappe der allgemeinen Pädagogik. Da Vielfalt und Heterogenität nichts Außergewöhnliches mehr sind, braucht es keinen eigenen Begriff mehr für einen spezifischen Ansatz oder ein Konzept. Inklusion geht in dieser fortsetzenden Phase in einer allgemeinen Pädagogik auf und ist kein eigenständiges Thema mehr.

Insofern gilt für Integration wie für Inklusion, dass beides Übergangsphasen und damit auch Übergangsbegriffe auf dem Weg zu einer allgemeinen Pädagogik sind - und nicht etwa Begründungen für eine neue "Sonderpädagogik" für Integration oder Inklusion."


Boban, Ines/ Hinz, Andreas (2003): Qualitätsentwicklung des Gemeinsamen Unterrichts durch den "Index für Inklusion"

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